Wenn zwei Anwendungen Daten austauschen sollen, sprechen wir schnell über Datenformate, Authentifizierung und technische Erreichbarkeit. Mindestens ebenso wichtig ist aber eine andere Frage: Wer übernimmt welche Verantwortung, damit der Austausch fachlich funktioniert?

Die Daten sind angekommen. Der Prozess steht trotzdem.
Ein vereinfachtes, hypothetisches Beispiel aus dem ÖPNV: Zwei Anwendungen tauschen Informationen zu einem Kundenanliegen aus. Die Übertragung gelingt. Aber in der empfangenden Anwendung fehlt eine Zuordnung oder ein Feld, das für die weitere Bearbeitung erforderlich ist.
Technisch war die Übertragung erfolgreich. Das Anliegen kann trotzdem nicht weiterbearbeitet werden.
Damit der gesamte Ablauf funktioniert, reicht es deshalb nicht aus, nur die technische Verbindung zu betrachten. Auch die Bedeutung der Daten und die Zuständigkeiten an den Systemgrenzen müssen geklärt sein.
Vier Fragen gehören früh in die Planung
- Verstehen beide Seiten die Daten und ihre Bedeutung gleich?
Eine Information muss in beiden Anwendungen so verstanden werden, dass der nächste Bearbeitungsschritt möglich ist. - Wer ist für die Qualität und Korrektur der Daten verantwortlich?
Wenn Angaben fehlen oder falsch sind, braucht es eine klare Zuständigkeit für die Klärung. - Wer erkennt und bearbeitet Fehler im gesamten Prozess?
Entscheidend ist auch, ob ein Vorgang fachlich weiterläuft, nachdem die Daten übertragen wurden. - Wie stimmen wir Änderungen zwischen den beteiligten Systemen ab?
Anpassungen auf einer Seite können Auswirkungen auf die andere haben. Auch dafür braucht es gemeinsame Absprachen.
Gute Architektur macht Zuständigkeiten sichtbar
Gerade im ÖPNV, wo verschiedene Organisationen und Softwarepartner zusammenarbeiten, brauchen diese Fragen klare Antworten.
Aus meiner Sicht gehört es zu einer guten Architektur, diese Zuständigkeiten sichtbar zu machen. Das erleichtert die Zusammenarbeit in der Entwicklung und hilft später im Betrieb. Davon profitieren die Menschen, die mit den Anwendungen arbeiten, sie entwickeln und betreiben.
Eine konkrete Frage für das nächste Projektgespräch wäre deshalb:
Wer merkt es, wenn die Übertragung erfolgreich ist, der fachliche Prozess aber stehen bleibt?
